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Freitag, 29. April 2016

Bewegende Premiere von "Draußen vor der Tür"


 Aufregung der Darsteller vor der Premiere
Brechend voll war die Aula des Osterlandgymnasiums zur ersten Premiere des Kurses Darstellen und Gestalten Klasse 10. Gespannt durfte man sein, denn es wurde vorher nicht viele über den Inhalt verraten. 
Draußen vor der Tür ist ein Drama von Wolfgang Borchert, der einen Tag vor der Uraufführung im Alter von 26 Jahren starb. 
Nach dreijähriger Kriegsgefangenschaft in Sibirien kehrt Unteroffizier Beckmann, ein einfacher Soldat der ehemaligen Deutschen Wehrmacht, bekleidet mit einen altem Soldatenmantel und einer Gasmaskenbrille, heim. Er ist in keinem guten Zustand - er humpelt, seine Kniescheibe ist zerschmettert und außerdem hat er Hunger und friert. 
Es gelingt ihm nicht, sich im Zivilleben zurechtzufinden. Deshalb sucht er den Ausweg im Selbstmord. Aber die Elbe weist ihn zurück mit der Begründung solle erst einmal richtig leben, getreten werden und zurücktreten. 
Immer wieder holen Beckmann die Erinnerungen aus der Schlacht um Stalingrad und aus der Kriegsgefangenschaft ein. Er kann nicht loslassen und versteht nicht, dass die anderen, oft Daheimgebliebenen diese Erinnerungen schon längst verdrängt haben. 
Auf der Suche nach Moral und Verantwortung sucht Beckmann Personen seines Vorkriegslebens auf, fragt aber auch Gott und Tod nach ihren Rollen für das Leben der Menschheit. Beckmanns Erinnerungen und seine Verantwortung anderen Soldaten gegenüber, die unter seiner Führung bei Stalingrad in den Tod geschickt wurden, erlauben es ihm aber nicht, sich im Leben zurechtzufinden. 
Er leidet unter dieser Schule und versteht nicht, dass die Gesellschaft bereits über vieles das Tuch des Vergessens, der Ignoranz und des Schweigens gelegt hat. 
Alle, die Beckmann aufsucht, können und wollen ihm keine Antworten auf seine Fragen geben und immer wieder schließt sich die Tür vor dem ehemaligen Soldaten. 
Und er steht wieder draußen vor der Tür. Am Ende bleibt er von der Gesellschaft ausgeschlossen und erhält auf seine Fragen keine Antwort. 
Dieses Theaterstück des Kurses DG Klasse 10 will nicht gefallen, es will seine Zuschauer erreichen, sie zum Nachdenken anregen und berühren. Die Schüler beweisen, wie intensiv sie sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt haben. Nur wer Beckmanns Verzweiflung, seine Suche nach dem eigenen Platz im Leben und nach denen, die die Verantwortung für das Völkermorden im Zweiten Weltkrieg übernehmen, verinnerlicht hat, kann dies auch tatsächlich in Szene setzen. Und nicht zu vergessen…Fragen nach moralischen Werten, nach dem Wegschauen und Vergessen sind auch in unserer heutigen Zeit sehr aktuell. 
Geschlossen und mit ganzem Herzen spielen die Darsteller. Bewegung, Mimik und Gestik unterstützen das Spiel ebenso wie Übertreibung und Reduktion, laute und ganz leise Töne, Musik Kontraste und Licht. Das sparsame Bühnenbild lässt keine Ablenkung des Publikums zu, wodurch es gelingt, sich wirklich auf die Darsteller zu konzentrieren. 
Maximilian Klas, Schauspieler und Workshopleiter meinte: 
„Ich bin sehr stolz auf die Truppe. Habe das Gefühl dass sie viel verstanden haben, ich hatte mehrfach Gänsehaut und es haben sich mir Bilder übertragen während der Vorstellung. Mehr geht nicht. Toll gemacht. Großes Lob und Respekt an Frau Thom - sie hat „Draußen vor der Tür“ mit Schülern gerockt!!!! - ein Stück, das als Hörspiel gilt und als unspielbar definiert wird. Und an die Protagonisten großes Lob. Könnt alle sehr stolz sein."
Ein großes Dankeschön für diese erste Inszenierung an den Kurs DG und deren Leiterin Frau Manuela Thom. Gleichfalls gilt der Dank allen Helfern, die sich an der Ausbildung der Schüler beteiligten und die Inszenierung unterstützten